Sage zur Windburg

Es gibt noch eine Sage, die um die Windburg und ihre Bewohner kreist :

Als die Burg noch wohl erhalten war, lebte dort oben die Witwe des Ritters Henko mit ihrem Sohne Idomir. Dieser war in die schöne Hedda, Tochter eines Alzeyer Ritters, verliebt. Beide waren einander zugetan, aber Heddas Vater hatte sie dem Ritter Eckhard von Neubamberg versprochen. Als Hedda und Idomir am Erlenbusch ein Stelldichein verabredet hatten, riet die Mutter ihrem Sohne davon ab, an den geheimnisvollen Ort zu gehen, weil das Käuzlein geklagt und der Uhu geschrieen, was Verderben zu bedeuten hatte.
Und so kam es auch. Als die Liebenden trotzdem im Erlenbusch vor den Toren Alzeys zusammenkamen, erschien der wütende Eckhard und erschlug das Paar. Beide wurden an der Mordstelle begraben. In sturmbewegten Nächten will man noch heute die Klagen der Mutter vernehmen.

Eine längere Version dieser Sage findet man im Rheinhessischen Heimatbuch von Wilhelm Müller aus dem Jahre 1921:

Hedda und Idomir
Westlich von Weinheim liegt der Windberg, auch Winnenberg genannt, auf welchem man die spärlichen reste der Stammburg des längst erloschenen Geschlechts der Herren von Wunnenberg erblickt. Als jene Burg noch wohlerhalten war, lebte dort oben die Witwe eines Ritters Henko mit ihrem Sohne Idomir, der in die Tochter eines Alzeyer Ritters namens Hedda verliebt war. Die schöne Hedda war ihrerseits auch dem Idomir zugetan, aber ihr Vater hatte sie dem Ritter Eckhard zu Neu-Bamberg versprochen. Als Hedda und Idomir einmal ein Stelldichein am Erlenbusch verabredet hatten, widerriet die Mutter ihrem Sohne, dorthin zu gehen, weil das Käutzlein geklagt und der Uhu geschrieen hatte, was nichts Gutes zu bedeuten hat. Und so geschah es auch: Als die Liebenden trotzdem in dem Gehölz vor den Toren Alzeys zusammenkamen, fielen sie unter den wütenden Streichen Eckhards und nahmen so ein bejammernswertes Ende. Das Paar wurde, wie es Idomir sterbend gewünscht hatte, an der Mordstätte begraben. Auch ließen die Angehörigen ein mächtiges Sandsteinkreuz an dem Ort errichten, wo die Tat geschehen war, das aber im Bauernkrieg verschwunden sein soll. In sturmbewegter Nacht will man heute noch vom Windberg das Klagen der nach ihrem Sohne ausschauende Mutter vernehmen.