Erckmann, Dr. Ludwig - Meine Quellen - 1909

Beschreibung

Verfasser:
Erckmann, Dr. Ludwig
Titel:
Meine Quellen in der Gemarkung Weinheim
Seitenzahl:
16
Erscheinungsjahr:
1909
Verlag/Druck:
Gebrüder Meschett, Alzey
Inhalt:
Dr. Ludwig Erckmann stellt in seiner 1909 erschienen und 16 Seiten umfassenden Schrift, Informationen zum Thema Quellen und Wasser um Weinheim zusammen.

 

Geschenk vom Verfasser.

Meine Quellen
in der
Gemarkung Weinheim.

Von
Dr. Ludwig Erckmann,
Agrikultur- und Ingen.-Chemiker,
Alzey.

1909.
Druck von Gebrüder Meschett, Alzey.

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Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Göthe.

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Vor dem Jahre 1890 hatte Alzey keine Hauswasserleitung und
nur einige spärlich laufende öffentliche Brunnen genügten kaum
für den Haushalt und war ein technischer Betrieb, in welchem
Wasser in größerer Menge nötig war, ganz unmöglich. So
mußte die hiesige Brauerei unreines Bachwasser benutzen und
die andere Brauerei hatte sich mit vielen Kosten eine eigene Wasser-
leitung angelegt.

Ich hatte in meinem technischen Betriebe auch nur spärliches
Wasser und hatte daher ein großes Interesse an einer städtischen
Wasserleitung.

Ein damals hier lebender Geometer, Herr Blodt, brachte
einen Herrn Ingenieur Stinner hierher und hatte derselbe die
Absicht, Alzey mit einer Wasserleitung zu versehen. Er wollte
hierzu den sogen. Kohlborn in Weinheim benutzen, allein die Quelle
lag zu niedrig und konnte die höher gelegenen Stadtteile ohne
Pumpwerk nicht mit Wasser versorgen, und schien es so, als wollte
Herr Stinner von einer Wasserleitung für Alzey ganz absehen.
Um diese Zeit, es war im Jahre 1889, kam Herr Lind, Be-
sitzer der Obermühle bei Weinheim und jetzt „Restauration zum
Lindenpark“, zu mir und bat mich, dem Herrn Stinner die Quellen
in den Offenheimer Sauerwiesen, welche Wasser auf seine Mühle
lieferten, für eine Alzener Wasserleitung anzubieten.
Herr Stinner wohnte in Pirmasens und war nur hie und
da in Alzey anwesend. Ich bat denselben schriftlich mich zu besuchen
und setzte demselben die Offerte des Herrn Lind auseinander.
Herr Stinner war mit diesen Vorschlage sofort einverstanden und
einige Tage später holte ich denselben am hiesigen Bahnhof ab.
Herr Stinner stellte auf seinem Aneroid den Zeiger ein und so

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wanderten wir nach Weinheim zu Herrn Lind und ging derselbe
mit uns an die Sauerwiesen. Das Aneroid war etwa 4,4 Mili-
meter gefallen und war hiermit konstantiert, dass das Wasser aus
den Sauerwiesen ohne Pumpwerk in ein höher gelegenes Reservoir
in Alzey geleitet und von dorten der Bahnhof und alle Stadtteile
mit Wasser versorgt werden können.

Einige Tag später erhielt ich von Herrn Stinner folgendes
Schreiben, welches im Original bei mir eingesehen werden kann:

Pirmasens, den 10. Oktober 1889

Sehr geehrter Herr Dr. Erckmann.
Nachdem ich vor meinem Weggange die nötigen Nivelle-
ments bezügl. Des Wassers der Obermühle machte, die auch mit
den Erhebungen durch das Aneroid-Barometer übereinstimmen,
habe ich noch in dieser Woche Kostenanschlag und Projekt ge-
macht über die Fassung der Bach und komme zu den Resul-
tat, daß das projekt durchführbar ist; kommt jedoch be-
deutend höher zu stehen als das bisherige Projekt Kohlborner
Brunnen-Alzey.

Es hat das Obermühlenprojekt einige Vorteile und
möchte ich daher die beiden Projekte bezüglich Kostenanschlages
genau prüfen und fällt daher der Ankaufspreis sehr in die
Waagschale und würden Sie mich daher verbinden, wenn Sie
mit dem Müller Lind sich ins Benehmen setzen würden, um
von demselben den niedrigsten Preis zu erfahren, für den er
die Wassergerechtigkeit abtritt. Ich würde Ihnen, falls die
Verhandlungen günstig ausfielen und jenes Projekt zur Aus-
führung käme, nicht ermangeln meine Dankbarkeit für Ihre
Bemühungen s. Z. zu erzeugen.

Ich werde am Samstag Abend in Alzey eintreffen, jedoch
bloß bis Sonntag Nachmittag dort verbleiben können, und
wenn Sie daher im Stande wären bis dorthin etwas zu er-
fahren, so wäre mir es sehr erwünscht.

Für Ihre freundl. Bemühungen einstweils dankend,
zeichnet achtungsvoll

Ihr ergebener
Harry H. B. Stinner

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Auf diesen Brief teilte ich Herrn Stinner bei seinem hier-
herkommen mit, welche Summe Herr Lind als Entschädigung ver-
lange und versprach auch Herr Stinner, diese verlangte Summe
zu bezahlen. Herr Stinner verkaufte nun das Projekt an einen
Herrn Valentin aus Frankfurt und dieser führte auch die Wasser-
leitung zum größten Teile aus. Die Mittel des Herrn Valentin
waren bald erschöpft und als derselbe plötzlich hier gestorben war,
kaufte die Stadt von den Erben des Herrn Valentin die Wasser-
leitung, soweit sie eben fertig war und baute die Wasserleitung aus.

Es sei hier bemerkt, daß Herr Stinner den Herrn Lind mit
keinem Pfennig entschädigte und als Herr Lind diesen Herrn
Stinner verklagte, wurde er mit seiner Forderung abgewiesen;
ebenso habe ich nicht einmal einen Dank erhalten. Das Gericht
hatte entschieden, daß die Quellen Eigentum des Felderbesitzer seien
und habe ich deshalb die Felder mit meinen Quellen in Eigentum
erworben.

Wir hatten nun einige Jahre eine hübsche Wasserleitung,
welche ohne Pumpwerk funktionierte, als aber die Drainage in den
Sauerwiesen ausgelaufen war, mußte man Brunnen in die wasser-
führende Schicht einbauen [und mit Pumpmaschinen das Wasser
heben. Auch diese wasserführende Schicht pumpte sich aus und wir
hatten wieder kein Wasser in Alzey. Ich hatte in meinem Betriebe
auch wieder kein Wasser und da die Poppenmühle gerade unter den
Hammer kam – im Sommer 1898 –, kaufte ich die Poppenmühle
und ebenso, wie schon erwähnt, einige Grundstücke, in welchen ich
hoffte, hinreichend Wasser zu finden.

Die Poppenmühle hatte somit nichts mehr von dem Kohlborn
und wurde überhaupt schon viele Jahre als Mühle nicht mehr benutzt.

Ich ließ nun in meinen Feldern nach Wasser suchen und ist
es mir gelungen, eine reichlich fließende Quelle zu finden. Ich ließ
dieselbe nun fachgerecht fassen und ringsherum einige Meter hoch

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ummauern und mit Steinplatten zulegen. Ich hatte nun die Ab-
sicht, diese neu erschlossene, reichlich fließende Quelle in einem ge-
schlossenen Rohr längs dem Bache auf die Mühle zu leiten und mit
dem Wasserrad in das städtische Reservoir zu pumpen.
Ich offerierte dieses schöne Projekt der Stadt Alzey, habe aber hierauf
keine Offerte von Seiten der Stadt erhalten.

Die Stadt Alzey legte nun die Drainage in Oberwiesen an
und sind nun diese Wiesen – Sommer 1909 – ganz trocken gelegt
und muß sich die Stadt nun wieder nach neuen Quellen umsehen.

Während dem Wassermangel in Offenheim und ehe das Wasser
von Oberwiesen hierher gepumpt wurde, hatte die hiesige Eisenbahn
auch nicht genügend Wasser und die Eisenbahnverwaltung war nicht
abgeneigt, meinem Projekt mit meiner Quelle und meiner Mühle
näherzutreten und hatte meine Mühle usw. durch den damaligen
Eisenbahndirektor – der Name dieses Herrn ist mir entfallen –
einsehen lassen. Da die Eisenbahn aber nicht gerne Nebenbetriebe
hat, hat sie sich mühsam beholfen und alsdann das Wasser von
der Stadt Alzey von Oberwiesen genommen. Unterdessen hatten
wir nun Wasser von Oberwiesen erhalten und war ich so in meinem
Geschäft mit Wasser reichlich versehen. Ich verkaufte die Poppen-
mühle an einen Herrn Göttelmann und dieser verkaufte sie an
den obengenannten Herrn Wulff. Herr Wulff – angeregt durch
meine Zeitungsannouncen – ließ die Mühle zu einer Restauration
herrichten, mit altdeutscher Weinstube und Gartenanlage versehen,
und verkaufte dieselbe alsdann wieder mit seinen Fischweihern an
Herrn Göttelmann, welcher das ganze Anwesen noch besitzt.

Ich bemerkte nun, daß ich mir beim Verkauf der
Mühle meine Felder mit den Quellen als mein Eigen-
tum ausgehalten habe und somit einziger und recht-
licher Besitzer dieser Felder und Quellen bin.

Im Jahre 1902 wurde die Anlage der Irrenanstalt in hiesi-
ger Gemarkung beschlossen und da die Anstalt mit ihren vielen In-
sassen und bebauten Gartenlande eine große Wassermenge nötig
hatte, war es selbstverständlich, daß ich dieselbe nach einem reich-
lichen und guten Trink- und Gebrauchswasser umsehen mußte.

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Ich machte die Großherzogliche Regierung auf meine Quelle
aufmerksam und hatte dieselbe sofort volles Verständnis für meine
Offerte. Im Auftrage der Regierung nahm Herr Kultur-Inspektor
Baurat von Böhmer im ganzen Jahre 1902 Messungen an meiner
Quelle vor und ergaben dieselben im Frühjahr 1902 bis 1100
Cubikmeter Wasser in 24 Stunden und ging die Wasser-
menge gegen Herbst auf 800 Cubikmeter in 24 Stunden zurück, da
alle Quellen in ihrem Wasserquantum im Sommer zurückgehen, mit
Ausnahme derjenigen Quellen, welche von Gletscherwasser gespeist
werden.

Herr Professor Dr. Sonne, Vorstand der chem. Prüfungs-
und Auskunftsstation in Darmstadt, entnahm am 20. Nov. 1902
persönlich in Gegenwart von Herrn Kultur-Inspektor Baurat von
Böhmer und meiner Wenigkeit an meiner Quelle eine Probe
Wasser zur bakteriologischen und chemischen Untersuchung. Eine
weitere Probe wurde Ende Dezember 1902 der Quelle entnommen.

Die Resultate dieser Untersuchungen teilte derselbe am 13. und
16. Februar 1903 der Grßh. Kultur-Inspektion in Mainz mit und
diese hatte die Freundlichkeit, mir eine Abschrift der Analysen zu
überlassen und setze ich dieselben hierher mit dem Bemerken, daß die
Original-Schriftstücke bei mir eingesehen werden können:

Gr. chemische Prüfungs- und Auskunftsstation für die Gewerbe.
Br. Nr. 8254; XXV, 458. Darmstadt, den 13. Februar 1903

Betr. Wasserversorgung der Provinzialirrenanstalt zu Alzey.

An die Gr. Kulturinspektion Mainz.

Die von uns am 20. November 1902 erhobene Probe Nr.
8230/8231 Wasser aus der Quelle (Kohlborn) des Dr. Erck-
mann (Gemarkung Weinheim) ½ enthält in je 1000 ccm (= 1 Liter)

Gesamtrückstand (bei 100° C getrocknet) 441,0 mg
darin:
Kieselsäure - 9,0 mg
Eisenoxyd (Ammonialfällung) - 3,4 mg
Kalk - 137,2 mg
Magnesia - 59,1 mg
Chlor - 21,3 mg

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Schwefelsäure - 36,6 mg
Salpetrige Säure - 0,0 mg
Ammoniak - 0,0 mg
Deutsche Härtegrade - 21,0°
Die in 1000 ccm Wasser vorhandenen organischen
Substanzen verbrauchten zur Oxydation über-
mangansaures Kalium 3,9 mg
Reaktion des Wassers nach längerem Stehen schwach alkalisch
Das Wasser war vollständig klar, farblos, geruchlos und ge-
schmacklos, auch bei längerem Stehenlassen scheidet sich aus dem-
selben kein bemerkbarer Bodensatz ab.
Zu bakteriologischen Untersuchung des Wassers wurden am
Orte der Probeentnahme am 20. Nov. 02 10 Plattenkulturen (2 mit
je 0,25 ccm, 4 mit ja 0,5 ccm und 4 mit 1,0 ccm Wasser)
angelegt.
Die ersten Kolonien wurden 4 Tage nach Herstellung der
Kulturen bemerkt.
Es entwickelten sich, im Mittel aus allen Versuchen und um-
gerechnet auf 1 ccm Wasser:
nach 4 Tagen 142 Kolonien;
nach 5 Tagen 202 Kolonien;
nach 6 Tagen 251 Kolonien.
Vom sechsten Tage an verminderte sich die Zahl der Kolonien
infolge zu schnellen Wachsens einzelner peptonisierender Bakterien.
Es wurden weiter gezählt (bezogen auf 1 ccm Wasser):
nach 7 Tagen 197 Kolonien
nach 8 Tagen 205 Kolonien
Vom achten Tage an wurde das Zählen eingestellt, da der
Inhalt der Petri'schen Schalen größtenteils verflüssigt war.
Es wurden folgende Kolonienarten beobachtet:
1) halbkugelige, weiße auf der Oberfläche der Gelatine
wachsende Kolonien;
2) kleine, gelbe, im Inneren der Gelatine wachsende Kolonien;
3) vereinzelte Schimmelpilze;
4) vereinzelte farblose, peptonisierende Kolonien;
5) vereinzelte fluoreszierende, die Gelantine verflüssigende
Kolonien;
6) Kolonien des Bacillus subcreataceus.

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Sämtliche vorerwähnte Bakterien sind nicht pathogen.
Das untersuchte Quellwasser (Nr. 8230/8231) ist somit weder
in chemischer, noch in bakteriologischer Hinsicht zu beanstanden. Es
ist als ein zur Trinkwassserversorgung geeignetes Wasser zu bezeichnen.

Gr. chem. Prüfungs- und Auskunfts-Station

Der Vorstand:
J. B.: gez. Unterschrift

Für die Richtigkeit der Abschrift:
Mainz, den 17. Februar 1903.

Gr. Kulturinspektion Mainz
gez. v. B.

Gr. chemische Prüfungs- und Auskunftsstation für die Gewerbe.
Br. Nr. 8257; XXV, 463. Darmstadt, den 16. Februar 1903

Wasserversorgung der geplanten Irrenanstalt zu Alzey.

An die Gr. Kulturinspektion Mainz.

Die uns am 29. Dezember 1902 zugegangene Probe Nr. 8323:
Wasser aus der Kohlbornquelle enthält in je 1000 ccm
(= 1 Liter):
Gesamtrückstand (bei 100° C getrocknet) - 446,0 mg
darin:
Chlor - 21,6 mg
Salpetrige Säure - 0,0 mg
Salpetersäure - 0,0 mg
Ammoniak - 0,0 mg
Die in 1000 ccm Wasser vorhandenen organischen
Substanzen verbrauchten zur Oxydation über-
mangansaures Kalium 3,6 mg
Das untersuchte Wasser ist als vollständig brauchbares
Trinkwasser zu bezeichnen.

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Bemerkung: Die Wasserprobe wurde kurz nach dem Eintritt
von Tauwetter mit starken Niederschlägen entnommen. Das
Wasser war vollkommen klar.

Gr. chem. Prüfungs- und Auskunfts-Station

Der Vorstand: gez. Unterschrift.

Für die Richtigkeit der Abschrift:
Mainz, den 17. Februar 1903.

Gr. Kulturinspektion Mainz.
gez. v. B.

Ich bemerke, daß von mir meine Quelle schon seit dem Jahre
1892 im Hochsommer mehrmals mit dem Thermometer geprüft
wurde und hatte dieselbe immer eine Temperatur von 9,5° C.
Diese Temperatur ist die Temperatur des Erdinneren und beweist,
daß die Quelle aus ziemlicher Tiefe aufsteigt, wie ja auch die Rein-
heit des Wassers nach obigen Analysen dieses beweist.

Die Regierung hat trotz der in jeder Weise günstigen schönen
Quelle und trotz der warmen Empehlung des Herrn Kultur-Inspek-
tors Baurat von Böhmer von der Erwerbung für die Irren-
anstalt abgesehen, da die Stadt Alzey versprochen hatte, gutes und
reichliches Wasser zu liefern.

Alle Mineralien und alle Wasser, welche dem Erdinneren ent-
nommen sind, zeigen Radioaktivität, sog. Emanation, und jeden-
falls hat das Wasser der Quelle eine relativ starke Emanation und
soll eine Prüfung hierauf nach Fertigstellung der Halle noch vor-
genommen werden.

Eine von mir vorgenommene Prüfung des Wassers mit dem
Spectoskop ließ keine seltener vorkommenden Alkalien und Erd-
alkalien erkennen, es enthält also das Wasser aus der Quelle nur
obige, in der Analyse aufgeführten Stoffe.

Betrachten wir nun einige Bestandteile der Analyse etwas
näher, so kommen wir zu folgenden Resultaten: Der Gesamtrück-
stand ist ganz normal und dürfte der Abdampfrückstand selbst bis
500 mg gehen. Die übrigen Bestandteile sind alle in einer Menge
vorhanden, wie sie in guten rheinhessischen Quellen vorkommen.
Der geringe Gehalt an Chlor und organischen Stoffen und die

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völlige Abwesenheit von salpetriger Säure und Salpetersäure und
Ammoniak beweist die große Reinheit des Wasser und beweist, daß
keine Infiltration stattfindet. Die geringe Menge Chlor, welche
unter der angenommen erlaubten Menge ist, stammt aus dem Meere,
wird dort von Winden aufgenommen und fällt mit dem Regen und
Schnee zu Boden und da Chloride im Boden nicht zurückgehalten
werden, versinken dieselben in den Untergrund und gelangen so in die
Quellen.

Offenfließende Bäche und gegrabene Brunnen in den Städten
und Dörfern enthalten alle viel Chlor, denn Menschen und Tiere
genießen Chlornatrium (Kochsalz) und gelangt dieses durch den
Urin in die Aborte und Jauchegruben und von da in den Boden
und in die Brunnen und Bäche.

Der Gehalt an Eisen ist als minimal zu bezeichnen und in
einer Menge vorhanden wie in vielen Quellwassern. Man hat
früher Wasser mit über 20 Härtegraden beanstandet, ist aber heute
anderer Ansicht, denn die meisten Wasser haben mehr wie 20 Härte-
grade und muß ein hartes Wasser gerade als der Gesundheit vor-
teilhaft bezeichnet werden. Das Wasser der Pumpstation in Boden-
heim hat z.B. 28,6 deutsche Härtegrade. Weiches Wasser ist geradezu
als giftig zu bezeichnen, denn es entzieht durch den osmotischen
Druck dem Blute und Chilus die notwendigen Salze und wirkt
schwächend auf die ganze Ernährung.

Kalk und Magnesia sind neben Salzen im Blute in reich-
licher Menge enthalten und werden fort und fort im Urin und den
Fäces abgeführt und müssen daher fort und fort für den Kreislauf
des Blutes und die Ernährung des Körpers ersetzt werden. Kalk
und Magnesia sind stete Begleiter und finden sich daher immer in
unseren Ackerböden und gelangen so in in die Pflanzen und von hier
in die Körper der Menschen und Tiere. Dieses Vorkommen im
Boden ist nicht zu verwundern, denn wir sehen, wie mächtige
kohlensauren Kalke bestehen: es sind dieses die Dolomiten, nach
dem französischen Geologen Dolomieu so genannt, und wie wir
dieselben in der Eifel, in Sachsen, in Tirol antreffen, und wie
deren Bestandteile durch fortgesetzte Verwitterung früher und auch
heute noch in Ackerboden gelangen.

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Mineralwasser im weiteren Sinne sind alle Wasser, welche
Mineralstoffe enthalten, und ist in diesem Sinne meine Quelle eine
Mineralquelle. Gewöhnlich nennt man aber Mineralswasser ein
solches Wasser, welches abnorme Mineralstoffe enthält und schreibt
man diesen seltenen Mineralstoffen heilende Wirkungen zu: wie z.
B. Wassser mit geringen Mengen Lithion, oder Asen, oder Glauber-
salz. Diese Mineralwasser mögen Kranke trinken, gesunden Men-
schen sind sie nicht zu empfehlen und ist es nur als Unfug zu be-
zeichnen, diese Wasser gesunden Menschen als Tafelwasser ganz
besonders anzupreisen.

Die Wasser mit Mineralstoffen kommen im Boden mit
Mineralien in Berührung, welche diese Stoffe enthalten, nehmen
sie auf und gelangen so in die Quellen, wie dieses schon Plinius
sagt: Tales sunt aquae, qualis terra per quam fluunt, was
natürlich auch für meine Quelle gilt. In jeder Apotheke kann man
die Dr. Sandow'schen Salze erhalten und kann man so aus meinem
schönen Quellwasser leicht und billig sich selbst das gewünschte
Mineralwasser herstellen und gibt jeder Apotheker hierüber gerne
weiter Auskunft.

Man hat früher angenommen, daß ein gutes Trinkwasser
nicht mehr wie 100 Keime und Bakterien in 1 ccm enthalten soll,
allein man ist hiervon abgekommen, denn Bakterien sind überall,
auf und in unserem Körper und in allen unseren Nahrungsmitteln
u. s. w. und sind ganz und gar nicht gesundheitsschädlich, mit Aus-
nahme der pathogenen Bakterien. Ich will nur erwähnen, daß in
1 Gramm gesunder Milch 1 Million Bakterien enthalten sind und die
Vermehrungsfähigkeit der Bakterien so groß ist, daß aus einem
Bakterium in 24 Stunden 280 Billionen Bakterien entstehen können.

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Die Quelle liegt dort, wo sie in meinen Feldern aus den
Felsen heraustritt, 2 Meter höher als ihr Auslauf in den Selzbach
und machte mir Herr Kreisstraßenmeister Adam noch folgende An-
gaben: Der Ausfluß der Quelles in den Selzbach liegt 194,07 Meter
über Normal-Null, während die Höhenmarke am Bahnhof Alzey
193,21 hoch liegt.

Der Quellenauslauf in den Selzbach liegt 0,86 Meter
höher als die Höhenlage des Bahnhofs und ca. 2,0 Meter höher
als die Bahnschienen.

Die Straßenachse vor dem Imblo'schen Hause in der Wein-
heimer Straße zeigt eine Höhe von 179,0 Meter und läuft die
Quelle bei Leitung bis zum Imblo'schen Hause mit
ca. 17 Meter Druck ohne Pumpwerk und kann von hier
aus in jedes höher gelegene reservoir mit Pumpwerk
gehoben werden.

Die projektierte Straße von der Poppenmühle bis nach
Mauchenheim führt direkt an meinen Quellenfeldern vorbei und ist
die Entfernung von der Quelle bis zur Poppenmühle genau 1 Kilo-
meter und von der Poppenmühle bis an den Garten des Herrn
Abel 2 Kilometer, also zusammmen nur 3 Kilometer von der Quelle
bis zum Abel'schen Garten.

Eine Quelle, die fort und fort klares, reines und reichliches
Wasser bis 1000 Cubikmeter in 24 Stunden ohne Filter und
ohne Druckwerk in die Stadt liefert, findet früher oder später ihren
Liebhaber und eignet sich dieselbe außer als Trinkwassserleitung
namentlich für technische Betriebe und denke ich an Brennereien und
Mälzereien, Eisfabriken, Destillationen, Essenzfabriken ec.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß ich die Quelle für meine
Brennerei an die Stadt leite und findet sich hierzu eine Beteiligung,
für einen oder mehrere andere Betriebe, so wird mir diese sehr
willkommen sein und verringern sich hierdurch die Kosten ganz be-
trächtlich.

Erckmann, Dr. Ludwig - Meine Quellen - 1909 - 15

Ich habe die Absicht, meine Felder mit Waldbäumen zu be-
pflanzen und über der Quelle eine geräumige Halle errichten zu
lassen. Das Wasser soll alsdann nach meiner Erfindung mit
Kohlensäure in dem Augenblick, wie es die Felsen verläßt, gehoben
werden. Ich werde dasselbe alsdann nur mit Kohlensäure beladen und
auch mit Kohlensäure und Himbeeren- und Citronen-Saft als
Limonaden in den Handel bringen.

Ich könnte noch Vieles über die Hydrologie meiner Quelle
anführen, allein ich habe diese Mitteilungen in meinem Archive
niedergelegt und sind dieselben nur für einen Käufer meiner schönen
Quelle bestimmt.

Alzey, im Juli 1909.

Dr. L. Erckmann.

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